something delicious

Hermann wird gebacken

14. Januar 2018
all-the-somethings-Hermannkuchen

Mist. Ich habe den Hermann vergessen. Schon wieder. Ich sollte mir wirklich angewöhnen einen Wecker zu stellen, oder einen Alarm im Handy. Ob der Teig noch in Ordnung ist? Vorsichtig hebe ich das Handtuch von der Schüssel und schnuppere.

Der Teig riecht „normal“, also so wie er beim ersten Mal roch, als ich ihn auspackte. Der Teig war nun deutlich größer und kleine, feine Bläschen hatten sich gebildet. Ich hätte ihn laut Anleitung die letzten vier Tag einmal täglich umrühren sollen. Na, dann hole ich das jetzt einfach nach. Ich rühre wie wild mit dem Schneebesen im Teig und stelle fest, dass er schon etwas fester als beim ersten Mal vor dem Füttern ist. Nach ein paar Mal Umrühren ist Hermann wieder beweglich, zu neuem Leben erwacht und die Blasen sind verschwunden. Hoffentlich hat ihm die H-Milch nicht geschadet. Ich füttere ihn erneut, wie in der Anleitung beschrieben, mit 100g Weizenmehl, 150g Zucker und 150ml Milch und stelle die Schüssel ein letztes Mal mit einem Tuch darüber auf den kühlen Balkon. Auf der Anleitung steht zwar nicht, dass Hermann nach dem zweiten Mal Füttern noch einmal ruhen muss, aber da es schon spät am Abend ist, entscheide ich, dass wir nun beide erst einmal schlafen gehen bevor wir uns gemeinsam dem „großen Backen“ stellen. Dieses Mal pinne ich mir einen großen, pinkfarbenen Zettel an den Kühlschrank. „Hermann backen!“.

Samstag. Backtag. Nun ist es endlich soweit. Ran an den Hermann, ran ans Backen. Ich holen den Teig ins Warme, rühre noch einmal um und teile meinen neuen Freund in vier gleiche Portionen. Eine Portion backe ich nun zum Kuchen, eine Portion werde ich weiter füttern (und auch deutlich besser pflegen) und die anderen beiden Portionen lege ich verpackt in zwei Tupperschüsseln in unser Gefrierfach. Die zwei kleinen „Hermänner“ möchte ich verschenken. Es ist Anfang Dezember. Es soll ein Weihnachtsgeschenk werden. Mein Hermann war bisher hart im Nehmen. Die zwei geteilten Portionen kommen sicher auch gut in unserem Gefrierschrank zurecht, bis sie zum Einsatz kommen.

Ich nehme mir vor nun keine weiteren Experimente mit dem armen Hermann mehr zu machen und halte mich an das Rezept, das mir meine Mutter mitgegeben hat.

Ich gebe zum Hermannteig nun:

200g Weizenmehl

100g Zucker

200ml Milch

»  H-Milch natürlich. Wir haben nie Vollmilch im Haus.

100ml Öl

»  Ich werfe einen Blick in unseren Vorratsschrank und entscheide mich für Sonnenblumenöl.

3 Eier

1 Päckchen Vanillezucker

1 Prise Salz

und 2 TL Backpulver

»  Also bitte, wer macht das denn? Das kleine Päckchen Backpulver aufteilen? Ich reiße das Tütchen auf und gebe den Inhalt in die Schüssel.

 

Anders als bei anderem Kuchenteig greife ich instinktiv nicht zum Rührgerät, sondern vermenge die Zutaten mit den Händen. Der Teig wird beim Kneten von Mal zu Mal fester. Ich entscheide mich noch dafür eine Handvoll gemahlene Mandeln und, weil der Teig so trostlos beige schimmert, auch noch eine gute Portion Schokoladenflocken unter die Masse zu heben. Fertig.

Nun stelle ich den Backofen auf 180 Grad Ober- und Unterhitze und stelle mir den Handywecker auf 45 Minuten, wie im Rezept beschrieben. Nervös tänzel ich 20 Minuten vor dem Backofen umher, schaue immer wieder gespannt durchs Fenster und verfolge wie Hermann wächst und wächst und wächst. War es doch zu viel Backpulver? Uhh, jetzt wird er schön bräunlich. Und er wächst noch weiter. Na, hoffentlich reicht die Backform aus?

Erst 30 Minuten vergangen. Immer noch warten. Stolz schicke ich Mama eine Nachricht aufs Handy:

„Backe Hermann. Sieht gut aus. Der wird ganz schön groß. Hab alles so gemacht wie im Rezept. Hoffe, das wird…Kuss.“

 

Noch 12 Minuten.

In unserer Küche riecht es super lecker. Ich hatte vergessen, dass der Geruch von Frischgebackenem schon fast so toll sein kann, wie das Selbstgebackene zu probieren und zu schmecken. Mein Handy klingelt. Juhu, der Wecker. Nein es ist Mama.

„Klar, hab ich gemacht“, sage ich.

„Ach gut, ich dachte schon die H-Milch wäre eventuell doof gewesen.“

„Nein, ganz normal mit dem Schneebesen und dann mit den Händen.“

„Ach so, Schneebesen ist nicht so gut? Wegen dem Metall, aha. Öhm, ja gut. Dann hoffe ich mal, dass es ihm nicht so sehr geschadet hat.“

 

Jetzt brummt mein Handy mitten im Gespräch.

„Mama, das ist der Wecker und Hermann sieht auch schon schön braun aus, ich muss auflegen.“

 

Ich öffne die Ofentür. Hitze und Kuchenduft schlagen mir entgegen. Vorsichtig hebe ich Hermann aus dem Ofen und stelle ihn auf dem Herd ab. Hermann ist goldbraun gefärbt, hat eine schöne, rundliche Form bekommen und duftet herrlich. Ich lasse ihn einige Minuten abkühlen auch wenn ich es kaum erwarten kann ihn aus seiner Form zu befreien und endlich zu probieren.

Fertiger Hermannkuchen
Fertiger Hermannkuchen

Gut sieht er aus. Ich schneide ein Stück ab. Hurra, er schmeckt auch gut. Süßlich, aber nicht zu süß, fluffig ist er, aber nicht zu weich, sondern bissfest. Die Schokoladenflocken sind deutlich zu sehen und auch zu schmecken. Auch die Mandeln schmecke ich heraus. Zum Abschluss verpasse ich ihm doch noch ein paar zusätzliche Streusel zur Dekoration.

Lecker sieht er aus, der Hermann!
Lecker sieht er aus, der Hermann!

Lecker ist er geworden, mein erster Hermannkuchen. Stolz schicke ich Mama ein Foto vom gelungenen Backprojekt. Ich bekomme einen Smiley und ein Daumen-hoch-Icon zurückgeschickt. Geschafft!

Der Hermannkuchen ist gelungen.
Der Hermannkuchen ist gelungen.

Wie sich der Teig wohl mit Früchten verhält? Vielleicht mal mit Pfirsichen oder Kirschen, oder Blaubeeren?

Komm schon Hermann Nummer 2, das probieren wir bald mal aus…

 


HIER findest du die Anleitung für deinen Hermannkuchen und das Rezept als Download.

 

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