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Wandern auf den AZOREN – Meine Highlights

10. Juni 2018
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Unberührte Natur, traumhafte Wanderwege, ein bisschen Dschungelfeeling – das wurde uns nahezu in allen Reiseführern und Themenblogs, die wir vor unserem AZOREN-Urlaub gelesen hatten versprochen. Der erste Eindruck der Insel, kurz nach unserer Landung, war eher ein sehr aufgeräumter, sehr gepflegter und vor allem sehr strukturierter Eindruck. Ich war fast ein bisschen enttäuscht. Umso mehr überraschte mich die Insel auf den Wanderungen, die wir innerhalb unseres zweiwöchigen Aufenthalts machten. Die Vielfalt der Natur auf SAO MIGUEL hat mich wirklich umgehauen. Ihr seid große Natur- und Wanderfans? Dann seid ihr für euren nächsten Urlaub auf der größten der Azoreninseln genau richtig…

Wir besuchten SAO MIGUEL für zwei Wochen im September. Für die Azoren ist dies noch Hauptreisezeit und dennoch war die Insel angenehm leer. Da die Azoren noch nicht so stark touristisch überlaufen sind, kann man auch gut zur Hauptreisezeit von Juni bis Oktober Ruhe und Stille finden. Wir wohnten die erste Woche in dem kleinen Fischerdorf RABO DE PEIXE und in der zweiten Woche in einem Ferienapartment bei GINETES. Von dort brachen wir bequem mit dem Mietwagen zu unseren Tagesausflügen auf.

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Entspannen im Apartement bei GINETES

Die Unterkunft bei RABO DE PEIXE kann ich leider nicht empfehlen. Gebucht haben wir diese über KIKIS AZOREN. Es war das Appartement eines Bekannten, das Sie uns vermittelte. Ein kleiner Bungalow im Garten des Vermieters. Leider hatten wir in dieser Unterkunft mit Kakerlaken zu kämpfen und dadurch einige unschöne Erlebnisse. KIKI war leider vor Ort auch alles andere als hilfsbereit. Hier würde ich nicht mehr buchen.

Unsere zweite Unterkunft bei Andrea und ihrem Lebensgefährten in GINETES hingegen war ein Traum. Hier würde ich sofort einziehen. Beide waren sehr nette und hilfsbereite Gastgeber. Das Apartment war schön abgelegen, an einem Hang, mitten im Wald, sauber, ordentlich und sehr empfehlenswert!

Was kann man also auf SAO MIGUEL alles tun? In erster Linie sollte man dort die tolle Natur genießen. Also ganz klar: wandern. Hier ein paar grundsätzliche Tipps vorneweg für Wanderungen auf der Insel:

  • 1. Auch wenn es auf den Azoren super ausgebaute Strecken und viele gepflasterte Wanderwege gibt, war ich froh nicht nur die Turnschuhe, sondern auch die Wanderschuhe eingepackt zu haben. Denn gerade wenn es quer durch den Dschungel, an Bächen und Flüssen oder über Geröll ging, war ich über festes Schuhwerk froh. Mit Turnschuhen wäre es doch das ein oder andere Mal rutschig geworden.

 

  • 2. Eine Regenjacke mit ins Wandergepäck zu packen ist auch bei Wanderungen auf den Azoren immer eine gute Idee, denn das Azorenhoch oder Azorentief sorgt für schnelle Wetterwechsel. Auch einen Schal oder auch einen warmen Pullover sollte man dabei haben, denn ab gewissen Höhenmetern kann es in kurzer Hose und T-Shirt ganz schön zugig werden. Es empfiehlt sich ins Wandergepäck auch Badesachen und ein Handtuch einzupacken. Auf einigen Strecken gibt es Badegelegenheiten oder es müssen kleinere Flüsse überquert werden.

 

  • 3. Unterschätzt die Höhen bei den Bergwanderungen nicht! An alle, die mit Höhenangst zu kämpfen haben heißt es: ab und an Zähne zusammenbeißen und durch. Oftmals sind diese „besonderen Merkmale“ nicht in den Wanderrouten verzeichnet. Es kann also gut einmal vorkommen, dass man um den Wanderweg weiter zu folgen, über Brücken und tiefe Abgründe muss. Ich als großer Schisser was Höhen angeht, hatte ab und an wirklich mit mir zu kämpfen. Umso stolzer war ich dann, als ich den Weg trotzdem gemeistert hatte. Seid also einfach darauf gefasst, dass es durchaus hoch hinauf, steil bergab und wackelig zugehen kann.

 

  • 4. Meidet die Touristenattraktionen zu den Hauptzeiten und nehmt lieber den Parkplatz, der ein bisschen weiter weg liegt, die nächste Abzweigung anstatt die Hauptstraße oder fahrt noch eine Bergkurve weiter und ihr werdet belohnt mit Ruhe und Stille und weniger Menschen. Geht entweder früh oder etwas später los. Gerade zur Mittagszeit kann es an den Hauptattraktionen voll werden. Ich persönlich mag es im Urlaub überhaupt nicht, wenn man sich mit 100 anderen Touristen am Aussichtspunkt um die besten Plätze streiten muss.

 

  • 5. SAO MIGUEL ist nicht geeignet für den reinen Badeurlaub. Sandstrände wie der PRAIA DE SANTA BARBARA oder der MOSTEIROS BEACH sind eher die Ausnahmen. Sonst hat die Insel vor allem Steilküste, hohe Berge, wunderbare Wasserfälle und heiße Badequellen zu bieten. Wer also nach einem reinen Badeurlaub am Sandstrand sucht, ist hier eher fehl am Platz. Die AZOREN sind besonders für Aktivurlauber attraktiv.

 

Hier nun meine liebsten Wanderwege, die ich Euch auf SAO MIGUEL empfehlen möchte:

1. Lagoa do Canario & Miradorou da Grota do Inferno

Auf meiner Suche nach schönen Wanderwegen auf SAO MIGUEL habe ich über PINTEREST immer wieder ein Foto entdeckt, das mich fasziniert hat. Der Blick auf zwei Seen, ein Wanderweg den Berg hinab, umrahmt von einem einfach, geschwungenen Holzzaun. Ein Traummotiv! Wie sich herausstellte entstanden diese Fotografien alle am Aussichtspunkt MIRADOURO DA GROTA DO INFERNO. Diesen wunderbaren Aussichtspunkt findet man wenn man die Wanderung zum LAGOA DO CANARIO im Westen von SAO MIGUEL bestreitet. Der Wanderweg befindet sich ganz in der Nähe des bekannten VISTA DO REI, einem dem beliebtesten touristischen Aussichtspunkt auf SAO MIGUEL. Geparkt wird hier und von dort geht es vorerst auf gepflastertem Weg, danach auf Naturpfaden zum Aussichtspunkt. Leider ist dieser Punkt auch sehr beliebt und natürlich gut besucht. Trotzdem solltet ihr euch diese Aussicht auf die beiden Seen LAGOA VERDE und LAGOA AZUL nicht entgehen lassen. Es ist wirklich traumhaft und soviel schöner als am VISTA DO REI! Von dort lässt sich der Ausflug um eine Wanderung zu den Seen LAGOA DE EQUAS und LAGOA DE RASA erweitern. Der Weg führt meist geradeaus über ein paar Hügel, durch einen kühlen Wald, hinunter zum See. Der Anstieg auf der Strecke ist minimal, der Weg naturbelassen und teilweise geteert. Nur auf dem Rückweg kann es matschig werden durch den ein anderen anderen Bachlauf, der den Weg kreuzt.

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Hello world!

Gesamtdauer mit Pause: Etwa 5 Stunden.

Tipp: Nicht zur Mittagszeit. Wanderschuhe sind eine gute Idee, weil es doch mal matschig werden kann. Wunderbares Fotomotiv, also unbedingt die Kamera mitnehmen. Weitere Tipps zur Route auch hier

Schwierigkeitsstufe: Niedrig.

 

2. Faial da Terra

Der Wanderweg startet direkt in dem kleinen Dorf im Süden der Insel, in der Nähe von POVOACAO. Von dort geht es über schmale Naturpfade, ordentlich bergauf und durch die Wälder bis zum Wasserfall SALTO DO PREGO. Zwischen Farnen, Palmen und Azaleen lässt sich in den natürlichen Pools wunderbar baden und auf den Steinen Rast machen. Tipp: Stellt euch am besten nicht wie alle anderen unter den Wasserfall, sondern nehmt die wenigen Stufen weiter hinauf und badet dort in den flachen Pools, meist ohne viel Zuschauer. Nach der Rast geht es weiter steil bergauf gerne gefolgt von freilaufendem Wildgeflügel. Oben angekommen führt der Weg durch ein weiteres kleines Dorf. Bananenplantagen und wunderbares Dschungelfeeling bekommt man dann beim Abstieg zu sehen.

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Natur pur!

Gesamtdauer mit Pause: Etwa 4 Stunden.

Tipp: Badesachen einpacken! Wanderschuhe sind eine gute Idee, aber auch mit Turnschuhen machbar. Eine schöne, entspannte Strecke mit nur wenig Höhenmetern. Wunderbares Dschungelfeeling.

Schwierigkeitsstufe: Niedrig, einmal steil bergauf und dann moderat.

 

3. Lagoa do Fogo

Verpassen sollte man den LAGOA DO FOGO auf keinen Fall. Seit 1974 ist der See Naturschutzgebiet und einer der besonderen Spots auf SAO MIGUEL. Der Kratersee entstand 1563 nach einem Vulkanausbruch des Pico da Sapateira, den es seitdem nicht mehr gibt. Die Wanderung vom Berg hinab zum See konnten wir bei unserem Besuch aufgrund des Wetters leider nicht machen. Ich empfehle euch diesen Spot trotzdem, weil ich von dem Blick über den See wirklich beeindruckt war. Wer die Wanderung nicht machen kann oder mag, dem empfehle ich mit dem Auto einen der zwei Parkplätze auf der Höhenstraße anzusteuern und von dort ein bisschen querfeldein zu laufen und den herrlichen Ausblick zu genießen.

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Blick auf den LAGOA DO FOGO

Gesamtdauer mit Pause: Mit dem Auto ist man in etwa 30 Minuten oben angekommen.

Tipp: Baden ist hier nicht erlaubt, dafür solltet Ihr euch eine Jacke mitnehmen. Auf 600 Höhenmetern kann es windig werden. Unbedingt mit Wanderschuhen machen, auch wenn man nur vom Parkplatz losgeht. Beim Klettern auf den Hügeln hat man so den besten Halt. Den Spot unbedingt früh morgens oder abends besuchen. Touristenalarm!

Schwierigkeitsstufe: Mit dem Auto natürlich sehr entspannt. Der Ausblick lohnt sich.

4. Furnas und Laoga das Furnas

Der LAGOA DAS FURNAS ist der zweitgrößte See auf SAO MIGUEL und liegt etwas oberhalb der Stadt FURNAS an der Strasse nach VILA FRANCA DO CAMPO. Seine grüne Farbe hat er von den Algen, die in dem natürlichen Biotop prächtig gedeihen. Einmal rund um den See und es ist klar, dass SAO MIGUEL vulkanischen Ursprungs ist. Heiße, dampfende und schwefelhaltigen Thermalquellen sprudeln am Wegesrand. Hier kann man eine besondere, regionale Tradition bestaunen. In den rund 1m tiefen, warmen Erdlöchern wird gekocht: hier entsteht der traditionelle COZIDO DAS FURNAS, eine Mischung aus Fleisch, Würstchen, Kohl, Kartoffeln und anderem Gemüse. Die Erdwärme genügt um den Eintopf zu kochen. Die Zubereitung dauert mehrere Stunden. Neben dem einfachen Rundwanderweg solltet Ihr euch den Aussichtspunkt auf den See nicht entgehen lassen. Mit dem Auto hinauf bis zum Spot auf dem PICO DO FERRO dauert es etwa 20 Minuten. Zu Fuß deutlich länger. Beachtet auf jeden Fall die Wetterlage, denn der Aussichtspunkt auf 570 Metern Höhe kann bei wechselhaftem Wetter auch in den Wolken liegen. Der Ausblick lohnt sich!

Blick auf das Tal vom PICO DO FERRO

Gesamtdauer mit Pausen: Die Runde um den See ist in etwa 3 Stunden machbar. In 25 Minuten ist man hinauf zum Aussichtspunkt gefahren. Der Weg ist teilweise sehr steil und auch hier herrscht gerne Touristenansturm.

Tipp: Der Rundweg ist gut mit Turnschuhen zu bewältigen. Sehr schönes Fotomotiv, also die Kamera nicht vergessen.

Schwierigkeitsstufe: Niedrig. Entspannte Pfade führen um den See.

6. Caldeiras Ribeira Grande

Diese Wanderung startet am Thermalbad im Dorfkern und an einer heißen Thermalquelle. Der schwefelhaltige Geruch steigt einem hier direkt beim Aussteigen aus dem Auto in die Nase. Der Wanderweg führ zunächst über Felder den Berg hinauf, vorbei an dampfenden Erdlöchern und führt dann in den Wald. Der RIBEIRA GRANDE ist sicherlich der wildeste Fluss auf der Insel. Schon seit über 100 Jahren nutzt man seine Wasserkraft zur Stromerzeugung. Entlang der Pipelines führt im Wald dann auch der Wanderweg weiter, vorbei an kleinen Stauseen und an zwei Wasserkraftwerken. Der Höhepunkt dieser Wanderung ist sicherlich der versteckt gelegene Wasserfall SALTO DO CABRITO, den man über einen abenteuerlichen Eisensteg durch eine Klamm, die bei mir für ordentlich Schwindelgefühl sorgte, erreicht. Alles halb so wild und trotzdem machbar, nur man sollte sich einfach schon vorher darauf einstellen. Die Rast am Wasserfall entschädigt im Nachhinein jedoch für alle Strapazen. Wunderschöne Natur in seiner reinster Form. Und auch hier waren wir nahezu alleine unterwegs. Am Ende erwartet Wanderer ein heißes Bad in der winzigen Therme TERMAS DAS CALDEIRAS. Der Eintritt kostet pro Person 5€, dafür gibt es Umkleidekabinen, eine Toilette und kaum Publikum. Wir waren gegen 18 Uhr dort und hatten das Becken für uns.

Nasse Füße kann es auf dem Weg schon einmal geben

Gesamtdauer mit Pause: Etwa 3 Stunden.

Tipp: Baden im Wasserfallbecken und in der Thermaltherme erlaubt. Unbedingt mit Wanderschuhen machen, die Pfade sind rutschig und steinig. Nicht so touristisch überlaufen, da der Wanderweg etwas versteckt liegt.

Schwierigkeitsstufe: Moderat. Für Menschen mit Höhenangst eine kleine Herausforderung, aber machbar. Challenge yourself!

8. Atalho dos Vermelhos

Unsere letzte Wanderung des Urlaubs startete im Nordwesten der Insel in der Nähe von JOAO BOM. Der Weg führt über Anbauflächen und Weiden in Richtung Küste. Leider hatten wir am letzten Tag durchwachsenes Wetter und waren froh die Regenjacken und Wanderschuhe dabei zu haben. So waren die rutschigen Pfade gut zu bewältigen. Zu sehen gibt es viel unterschiedliches. Ein kleines Waldstück, steile Abstiege, kleine Ortschaften mit Kuhweiden und das Meer. Ein letzter Blick aufs Meer bevor wir am nächsten Tag zurückflogen. Ein schöne Runde Sache für den Abschluss unserer Reise.

Steilküste ahoi!

Gesamtdauer mit Pause: Etwa 2 Stunden.

Tipp: Unbedingt mit Wanderschuhen machen, da rutschig an manchen Ecken. Der Blick auf die Steilküste ist gigantisch! Beliebtes Gebiet für Vogelbeobachtungen.

Schwierigkeitsstufe: Niedrig. Kontinuierlich bergauf und bergab.

 

Wer nicht nur wandern mag hat auf SAO MIGUEL natürlich auch noch andere Möglichkeiten, für schöne Tagesausflüge, wie zum Beispiel den Besuch der ANANAS PLANTAGE ARRUDA und vieles mehr. Zum Beispiel Tee trinken auf der Plantage PORTO FORMOSO, ein Stadtbummel in PONTA DELGADA oder ein Hotelbesuch des verlassenen MONTE PALACE beim VISTA DO REI. Davon erzähle ich euch im nächsten Beitrag mehr…


Dieser Artikel ist nicht werbefinanziert. Die Auswahl der hier genannten Attraktionen und Tipps lag ausschließlich bei mir.

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